Arbeitgeberbewertungsportale aus der Sicht einer Studentin
Geschrieben von Anja Schmitz am 25. August 2009 | Abgelegt unter Employer-PR, Personalmarketing
Ein Trend des Web 2.0 liegt darin, das immer mehr Bewertungsportale auftauchen. Anfangs wurden nur Gegenstände bewertet. Diese Bewertungen sollten Kaufinteressenten bei der Kaufentscheidung helfen.
Doch zunehmend werden auch Personen oder gar ganze Firmen bewertet. Nachdem jetzt schon Lehrer bei spickmich.de und Professoren bei meinprof.de bewertet werden können, geht es nun auch den Arbeitgebern „an den Kragen“.
Durch sogenannte Arbeitgeberbewertungsportale wie z.B. kununu.com können sich Bewerber über ihren zukünftigen Arbeitgeber informieren. Dies geschieht durch Bewertungen von aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern. Zudem können sich die Führungskräfte eines Unternehmens einenÜberblick über die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter verschaffen.
Ich werde im Folgenden drei bekannte Portale unter die Lupe nehmen und schließlich ein neues Portal betrachten, dies aus der Sicht einer Studentin, die sich über mögliche Arbeitgeber informieren will.
Kununu.com
Das erste Portal ist das wohl größte und auch bekannteste seiner Art: Kununu.com, was übersetzt aus dem Suaheli „unbeschriebenes Blatt“ bedeutet.
Auf den ersten Blick wirkt die Startseite vertauenserweckend und übersichtlich. Das Portal bietet verschiedene Möglichkeiten: Man kann Arbeitgeber und den Bewerbungsprozess bewerten oder aber auch nur die Bewertungen lesen.

Bei der Arbeitgeberbewertung bietet kununu.com zwei Varianten an: Die Express-Variante, wo dreizehn Kriterien bewertet werden und die Standard-Variante, die darüber hinaus noch 38 Detailfragen stellt. Kommentar- und Feedbackfunktion sind in beiden Varianten möglich. Die Auswertungen für eine bestimmte Firma kann man über die gut gestaltete Suchmaske schnell finden. Zusätzlich werden die Top-Arbeitgeber angezeigt und auch die meist Bewertetsten werden aufgeführt.
Was meiner Meinung nach ein großer Pluspunkt für kununu.com ist, sind die Jobangebote die gleichzeitig mit den Auswertungen sichtbar werden. Hat man eine attraktive Firma gefunden, so kann man direkt sehen ob passende Positionen zu vergeben sind. Außerdem sind mehr als 35000 Bewertungen für mehr als 16000 Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden.
Sucht man als Bewerber Informationen aus erster Hand oder möchte man sich einfach nur über bestimmte Themen austauschen, so bietet kununu.com die Möglichkeit dazu in der kununu Community. Hier kann man seine Bewertungen überblicken oder im Forum diskutieren. Im Entscheidungsprozess für eine Firma helfen auch die von JobTV24 eingestellten Jobvideos, die bei kununu.com auf der Startseite zu finden sind.
Insgesamt ist kununu.com meiner Meinung nach zu Recht das bekannteste Arbeitgeberbewertungsportal. Es ist gut strukturiert und aufgrund der Menge an Bewertungen relativ repräsentativ. Auch kleine Arbeitgeber sind hier vertreten. Es erfüllt seinen Zweck als Informationsquelle also sehr gut.
Jobvoting.de
Als nächstes betrachte ich das Portal jobvoting.de, welches auch zu den Bekannten zählt.
Was mir hier leider zuerst auffiel, war die vollkommen überladene Startseite, was auf mich zunächst einen unprofessionellen Eindruck machte.

Man sieht nicht auf den ersten Blick die wichtigen Inhalte, da auch das Menü wenig strukturiert ist. Hat man sich dann zurecht gefunden, erkennt man die vier Menüpunkte: Bewerten und Auswertungen, Community, Service und Informationen. Bei den Jobbewertungen gibt es verschiedene Suchmöglichkeiten, mit denen man einen Arbeitgeber finden kann. Gut finde ich hier die Möglichkeit Arbeitgeber über Branchen zu finden. Wie auch schon bei kununu.com kann man sich die Top-Arbeitgeber ansehen. Die Bewertung eines Arbeitgebers kann kurz oder ausführlich erfolgen. Letztere bietet Detailfragen und Kommentare, wohingegen bei der Kurzform nur eine Gesamtnote abgegeben wird, ohne Kommentar. Leider muss ich auch hier wieder feststellen, dass die Bewertungsseite unübersichtlich aufgebaut ist, was nicht dazu einlädt Bewertungen abzugeben.
Trotzdem sollte auch hier positiv hervorgehoben werden, dass, wenn auch schlecht als solche zu erkennen, Jobangebote und Foreneinträge zu den Unternehmen mitgeliefert werden.
Gut gefallen bei jobvoting.de hat mir der Bereich Service, da dieser nutzliche Informationen birgt, wie z.B. Firmenporträts oder Karrieretipps. Außerdem bietet jobvoting.de eine Community, die ein Forum und auch einen Business Club beinhaltet. Dieser soll Bewerbern helfen von Firmen gefunden zu werden, indem man sein Kurzprofil einstellt. Interessant sind auch die News vom Arbeitsmarkt, die auf der Seite zu finden sind.
Insgesamt hat mich jobvoting.de nicht in dem selben Maße überzeugt wie kununu.com. Es bietet zwar einige nützliche Informationen, aber diese machen für mich nicht die Unstrukturiertheit und die wenigen Bewertungen (nur etwa 2000) wett.
Kelzen.com
Ein weiteres bekanntes Bewertungsportal ist kelzen.com. Dieses Arbeitgeberbewertungsportal kann in vielen Sprachen aufgerufen werden. Ist erst einmal die Sprache gewählt, so gelangt man auf die eigentliche Startseite. Diese kann vor allem mit der Übersichtlichkeit punkten, aber meiner Meinung nach könnte die Farbe etwas lebendiger gestaltet sein.

Nun hat man drei Möglichkeiten die Arbeitgeber zu bewerten: In 30 Sekunden, 5 oder 15 Minuten. Erstere fragt die Stimmung ab die man mit dem Unternehmen und dem Bewerbungsprozess verbindet. Die zweite beinhaltet Detailfragen und die letzte schließlich einen genauen Bericht. Die Bewertungen sind ebenfalls übersichtlich und Firmen können leicht gefunden werden.
Ein Minuspunkt ist jedoch, dass keine Jobangebote angegeben sind.
Insgesamt beschränkt sich kelzen.com eher auch den Kern des Bewertens und Auswertens. Es werden keine zusätzlichen Tipps oder Möglichkeiten zum Austausch geboten. Lediglich die Rubrik mykelzen deutet auf eine Community hin. Leider kann man die Funktionen von mykelzen erst nach der Anmeldung erkennen.
Was hier aber als Minuspunkt gilt, liegt im Auge des Betrachters. Jemand der nur eine bestimmte Bewertung sucht, empfindet es als Pluspunkt, dass nicht unnütze Informationen vermittelt werden.
Bizzwatch.de
Zu guter Letzt habe ich mir ein neues Arbeitgeberbewertungsportal angeschaut.
Bizzwatch.de sieht auf den ersten Blick bunt und ansprechend aus. Eine gute Struktur lässt einem die Möglichkeiten der Seite erkennen.

Im Vordergrund steht eindeutig das Bewerten von Arbeitgebern. Eine Neuerung hierbei ist, dass man nun auch direkt seinen Chef bewerten kann. Was hier im Gegensatz zu den anderen Portalen auffällt, ist, dass man sich anmelden muss um eine Bewertung abzugeben. Dies könnte viele Leute von einer Bewertung abhalten, aber vielleicht werden gerade deshalb weniger unseriöse Bewertungen abgegeben.
Die Auswertungen sind auch gut gestaltet. Es gibt hier zusätzlich die Rubrik Firmen und Chef der Woche. Ein nettes Extra, aber nicht unbedingt notwendig. Da bizzwatch.de noch sehr jung ist, sind auch nur wenige, kleinere Firmen vertreten. Leider werden auch keine Jobangebote angezeigt.
Was mir positiv aufgefallen ist, ist die Rubrik Klartext auf der Startseite, die Informationen zum aktuellem Geschehen in der Arbeitswelt bringt.
Um Besucher der Seite besser über bizzwatch informieren zu können gibt es unter bizzwatch.tv Videos und Straßenumfragen, die aktuelle Themen behandeln. Diese sind meiner Meinung nach ausbaufähig und wirken jetzt eher unprofessionell.
Insgesamt ist bizzwatch.de eingeschränkt empfehlenswert. Aber meiner Meinung nach hat es noch viel Potential.
Diese Arbeitgeberbewertungsportale waren nur wenige von vielen, die es mittlerweile im Web gibt. Manche erfüllen ihren Zweck besser als andere.Trotzdem sollte man aber bei allen Bewertungen im Blick haben, dass hier anonym eine Bewertung abgeben werden kann. Inwiefern die Bewertungen das realistische Bild in der Firma widerspiegeln ist fraglich. Daher sollte man diese Portale nicht als einzige Informationsquelle nutzen.
8 Kommentare »








am 26. August 2009 um 10:59 1.Markus Pohl schrieb …
Ich habe zwei grundsätzliche Proble mit Portalen solcher Art, die leider nicht ohne Weiteres behoben werden können und die die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Portale sehr schwächen:
1) Die Einträge werden immer von (Ex-)Angestellten gemacht, die auf ihre Art “extrem motiviert” sind. D.h. entweder von den sehr unzufriedenen Mitarbeitern oder von den sehr zufriedenen.
Hierfür gibt es in den USA sogar eine Extra page: jobvent.com (vent = Ventil) – mit der aussagekräftigen subline “I love my job – I hate my job”.
Die “normalen Angestellen” sind auf solchen Seiten absolut unter-repräsentiert.
2) Fake-Einträge: Diese können nicht unterbunden werden – und man muss einfach davon ausgehen, dass Unternehmen per Fake-Accounts ihr Image aufpolieren. Die Evidenzen sprechen jedenfalls für sich. Ich habe es schon erlebt, dass eine schlecht bewertete Firma innerhalb kürzester Zeit durch “Praise”-Einträge eine überdurchschnittlich gute Bewertung erreichte.
am 26. August 2009 um 13:36 2.Martin Poreda schrieb …
@Markus Pohl
Danke vielmals für den Input und die Beschäftigung mit dem Thema.
zu 1. Wir bei kununu beobachten ein ausgewogenes Verhältnis positiver und negativer Bewertungen. Durch die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge für einen angenehmeren Arbeitsalltag über kununu zu unterbreiten (und kununu wird von Personalern sehr genau beobachtet und gelesen!) ist zu beobachten, dass wir die Anzahl von Bewertungen aktiver Arbeitnehmer steigern konnten. Diese nutzen kununu als Kommunikationskanal zu den Unternehmensverantwortlichen um unter dem Schutzmantel der Anonymität ehrliches und konstruktives Feedback zu geben.
zu 2. Fake Einträge (im geringen Ausmaß) werden sich bei jeglichen Plattformen nie ausschließen lassen. An und für sich ein Armutszeugnis für das Unternehmen, wenn dies der einzige Umgang mit AG Bewertungsportalen ist. Gefährlich wird, wenn die “animierten” Personen ihrerseits in Blogs, Foren & Co. darüber berichten, dass sie zu einer positiven Bewertungsabgabe gedrängt wurden – Folge: Arbeitgeberimage schwer geschädigt.
Ebenfalls werden AG, die sich ungerechtfertigt in den Himmel loben, von zukünftigen Bewerbern und Mitarbeitern “abgestraft” – rasch wird der Arbeitnehmer, der kununu & Co. als Entscheidungshilfe herangezogen hat, das Bild auf diesen Plattformen wieder korrigieren.
AG Bewertungsportale sind junge Phänomene im Web und es braucht Zeit und Input durch Besucher um “objektivere AG Bewertungsprofile” (Betonung auf -ivere, da Bewertungsportale gerade zur Vermittlung von subjektiven Eindrücken geschaffen wurden) vermitteln zu können.
Herzlichen Gruß,
Martin Poreda (kununu Co-Gründer)
am 27. August 2009 um 16:06 3.Kontroverse Diskussionen schrieb …
Kontrovers, aber spannend wird das Thema auf der Seite von Marcus Tandler (Job und Bewerbungsexperte) diskutiert.
http://www.secretsites.de/joblog/?p=416
am 27. August 2009 um 18:55 4.Junge Karriere schrieb …
Tolle Analyse, wenn auch nicht zu arg in die Statistik eingetaucht.
Man wird sehen, wie die Portale sich durchsetzen, hatte nicht http://www.yourcha.com auch so etwas in seiner Jobbörse mit eingebaut!
am 28. August 2009 um 09:24 5.Lutz Altmann schrieb …
An Kontroverse Diskussion:
Ja, Marcus Tandler hat dies gut kommentiert. Doch dies war im Feb 2008. Wie sieht es heute aus?
An Junge Karriere (neu auferstandende Zeitschrift 2, Thomas?):
Yourcha, daraus werde ich nicht schlau. Wohin richtet sich dies nun genau aus?
am 31. August 2009 um 10:26 6.Kontroverse Diskussion schrieb …
Hallo Lutz,
hier der neueste Artikel darüber:
“meiner Meinung nach ist das ganze Konzept total für´n Arsch! Denn bei solchen Portalen bewerten halt entweder angepisste & gedisste Ex-Arbeitnehmer, oder halt die Personalabteilung selber – welcher normal zufriedene Mitarbeiter nimmt sich schon die Zeit und bewertet seinen Arbeitgeber?? Wirkliche statistische Relevanz kommt dabei auch nicht auf, wenn man z.B. mal die Zahlen von Quasi-Marktführer Kununu betrachtet ->
In Deutschland wurden insgesamt 11.606 Firmen bewertet, aber lediglich mit 24.695 Bewertungen – ergo bekommt die Durchschnittsfirma also gerade mal mickrige 2.1 Bewertungen! Da ne Menge der Firmen auch mehrere Bewertungen haben, bleiben dann ne Menge One-Hit-Wonder auf der Straße, deren Bewertung somit total für die Katz ist.”
http://www.secretsites.de/joblog/?p=572
am 31. August 2009 um 19:54 7.steffi11 schrieb …
Hallo zusammen,
also ich finde die Bewertungsportale echt ne gute Sache.
Ich habe selber bei Bizzwatch schon Bewertungen abgegeben und denke, dass ich trotz ehemaligem Arbeitgeber auch positiv und realistisch bewerten konnte, da es auf dieser Seite mehrere verschiedene Bereiche (wie zB Karrierechanchen, Jobsicherheit, Vergütung usw – die ebenfalls noch mal unterteilt sind) gibt, die man bewerten kann. Kann Bizzwatch also echt wegen der ganzen Bewertungsmöglichkeiten und der einfachen Handhabung echt empfehlen.
Ausserdem bin ich zur Zeit selber auf Jobsuche und guck gerne öfters mal nach den Bewertungen der Arbeitgeber.
Allerdings muss ich auch sagen, dass es echt schade ist, dass so wenige Bewertungen abgegeben werden… so kann man leider nicht jeden Arbeitgeber finden.
am 16. Oktober 2009 um 15:51 8.Ange schrieb …
Hey Leute
Ich persönlich finde, das Bewertungsportale Sinnvoll sind, da man als Studentin z.B.
nicht weis, wo man sich bewerben soll.
Man hat angst “die falsche” Firma mit “dem falschem” Chef zu erwischen.
Beim Vorstellungsgespräch scheint alles perfekt zu sein: die Mittarbeiter,
der Chef, das Arbeitsklima…
Doch sobald man dort ein paar Wochen gearbeitet hat, sieht man das “wahre Gesicht” der Firma. Um das zu Vermeiden gibt es, wie oben genannt, Arbeitgeberbewertungsportale.
Meiner Meinung nach ist http://www.bizzwatch.de simply the best!
Das Anmelden scheint am Anfang ein bisschen lästig zu sein, hat aber seinen Vorteil: unseriöse oder schwachsinnige Bewertungen, die die Entscheidungen anderer beeinflussen…