Karstadt Karriere bei Facebook – Was steckt hinter dem rasanten Start?

Es war einer der rasantesten Starts einer Facebook Karriereseite. Am 19. Mai 2011 startete „Karstadt Karriere“ auf Facebook und konnte bereits in der ersten Woche rund 1.300 Fans gewinnen. Mittlerweile ist die Zahl sogar auf über 2.200 angestiegen.

Woran liegt das? Was macht gerade die Karstadt Fanseite so erfolgreich? Zunächst einmal fällt auf, dass Karstadt ein sehr ungewöhnliches Konzept fährt. „Werde Einwohner der Karstadt und gestalte das Stadtleben mit“, so könnte man es wohl in einem Satz zusammenfassen. Die Seite nutzt die grafischen Möglichkeiten der iFrames voll aus und kommt animiert, stylisch und sehr bunt daher. Hier wird auch klar, dass sich die Seite vorrangig an junge Bewerber, sprich Schüler bis maximal Studenten richtet. Ein kleiner Wermutstropfen: Um die volle Bandbreite der Seite überhaupt sehen zu können, muss man erst einmal Fan werden. Ein erster Hinweis darauf, dass hier viel Wert auf die Anzahl der Fans gelegt wird.

Einwohner der (Kar-)Stadt

Ist man dann Fan geworden, kann man sich in der „Karstadt“ umsehen. Diese ist unterteilt in die Bereiche „Mode&Lifestyle“, „Genussschule“, „Reisefieber“ und „Gestalter“. Karstadt selbst beschreibt diese vier Bereiche wie folgt: „Ob Du in der Genussschule das neue Nationalgericht der KARSTADT zauberst, den Einwohnern der Stadt die schönsten Reiseziele zeigst, Du Deinen Sinn für Ästhetik mit uns teilst oder Dein Fashion-Feeling präsentierst – die KARSTADT hat immer viel zu bieten!“ Kurz und bündig geht es darum, den eigenen Style, das Lieblingsgericht, Lieblingsreiseziel oder gestalterisches Highlight zu beschreiben und mit der Community zu teilen. Als Belohnung winken Gewinne sowie „Eine Urkunde des Karstädter-Ausbildungswettbewerbs für Deine Bewerbungsunterlagen“.

Fans durch Gewinnspiele

Die „mach mit und gewinn einen Preis“-Mentalität zieht sich durch die gesamte Fanseite und dürfte wohl auch ein entscheidender Faktor für die explosionsartige Entwicklung der Fanzahlen sein. Gleich zu Beginn startete Karstadt mit einem Gewinnspiel. Bei Überschreiten der 500 Fan-Marke wurden zwei Einkaufsgutscheine über 50€ verlost, je 500 Fans mehr wurden weitere Gutscheine vergeben.

Quantität oder Qualität?

Die Karstadt Karriereseite wurde sehr positiv aufgenommen:

Solche Posts sind Balsam für die Personalmarketing-Seele und für eine virale Verbreitung auf Facebook Gold wert. Die Verlosung von Gutscheinen bei einer bestimmten Fanzahl hat aber auch andere Kommentare hervorgerufen:

Spätestens hier kommt dann wieder die Frage nach Quantität und Qualität der generierten Fans auf. Auf jeden Fall hat die Karstadt für Aufsehen gesorgt und sich ins Gespräch gebracht. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Personen anzusprechen und diese dann auch auf längere Sicht zu binden. Denn Gewinnspiele können für eine Karriereseite wohl kaum eine dauerhafte Lösung sein.

Karstadt ist dennoch auf einem guten Weg. Auf Beiträge wird zeitnah reagiert, es werden viele Fotos und Links geteilt und z.B. ein Praktikant der Woche vorgestellt. Auch eigene Videos soll es demnächst geben. Diese Filme, wie auch das gesamte Projekt Karstadt Karriereseite, wurden übrigens zu einem wesentlichen Teil von Auszubildenden bei Karstadt gestaltet.

Blick hinter die Kulissen

Was es genau mit der Facebook Karstadt auf sich hat, haben uns drei Verantwortliche aus dem Karstadt-Team in einem Interview erzählt: Philip Sauerbier (Online-Redakteur Facebook), Frau Dr. Petra Meyer-Ochel (Bereichsleiterin Führungskräftebetreuung und -entwicklung) und Silke Hentschke (Personalreferentin Personalmarketing und Online-Redakteurin Facebook).

Links nach rechts: Philip Sauerbier (Online-Redakteur Facebook), Silke Hentschke (Personalreferentin Personalmarketing und Online-Redakteurin Facebook) und Dr. Petra Meyer-Ochel (Bereichsleiterin Führungskräftebetreuung und –entwicklung)

1) Mit der Idee, die Fanpage als eigene kleine (Kar-)Stadt und die Fans als Einwohner mit Aufgaben zur „Stadtgestaltung“ darzustellen, gehen Sie neue Wege im Facebook-Universum. Was erhoffen Sie sich durch diese Darstellung?

Wir sind der Überzeugung, dass Unternehmen heute nicht mehr über eine Einwegkommunikation mit Bewerbern sprechen sollten. Ziel ist es, mit den Jugendlichen über Facebook einen Dialog zu führen und ihnen eine neue Möglichkeit der Berufsinformation zu geben.

Inhaltlich wollen wir das Gefühl, ein Teil des Warenhauses Karstadt zu sein, transportieren. Die Einwohner von „Karstadt“ sollen sich wohl fühlen, mitgestalten und exklusiv Informationen erhalten. Genauso ist unsere Ausbildung: Die Jugendlichen bei Karstadt sind vollwertige Mitglieder in einer Gemeinschaft und dürfen und sollen ihr Umfeld und ihre Zukunft aktiv mitgestalten.

2) Warum haben Sie sich entschieden, den vollen Zugang zu den Inhalten Ihrer Fanpage vom Fan-Werden abhängig zu machen? Widerspricht das nicht der Erwartungshaltung der Mehrheit der Internetnutzer, frei auf Informationen zugreifen zu können?

Das Attraktive an unserer Seite ist ja, dass die Fans Einwohner in unserer Stadt sind. Wie bei jedem guten Citymanagement sind wir natürlich daran interessiert, dass unsere Bewohner nicht sofort wieder ausziehen 😉 Die Karstadt soll mit Ihren Einwohner leben und durch sie wachsen. Schnelle und konstante Informationen erhalten in erster Linie unsere Einwohner.

Außerdem: Wir denken, Karriere ist eine Sache, die man sehr ernst nehmen und gut planen sollte. Auch deshalb soll man ganz bewusst „Einwohner“ werden.

3) Mit Ihrem Gewinnspiel „werde Einwohner der Karstadt und gewinn einen Preis“ haben Sie in sehr kurzer Zeit eine beachtliche Fanbase aufgebaut! Wie relevant sind Fans, die auf diese Weise gewonnen werden, Ihrer Meinung nach für einen Karriere-Auftritt?

Fans sind sehr wichtig für uns. Durch eine große Fanbase können wir Informationen über Ausbildung, Karriere und Jobs breit und schnell bekannt machen. Hier nutzen wir die aktuelle rasante Entwicklung der Kommunikation und den damit verbundenen viralen Effekt. Für über 400 Ausbildungsplätze, die wir deutschlandweit anbieten, benötigen wir eine Vielzahl an Bewerbungen. Einen Teil davon hoffen wir über das Medium Facebook zu aktivieren. Viele Fans bedeutet auch viel Dialog und Interaktion. Auch davon profitieren wir. Als ein führendes Handelsunternehmen mit täglich bis zu 1,5 Millionen Kunden in unseren Filialen „leben wir von Interaktion“.

4) Als Gewinn für die Beteiligung an verschiedenen Herausforderungen winkt u.a. „eine Urkunde des Karstädter-Ausbildungswettbewerbs für Deine Bewerbungsunterlagen“. Wie relevant wird eine solche Urkunde bei einer späteren Bewerbung bei Karstadt sein?

Diese Urkunde verstehen wir zunächst einmal als eine Anerkennung. Wer sich allerdings bei unseren Wettbewerben unter hunderten von Teilnehmern durchgesetzt hat, verdient es, dass man seiner Bewerbung bei uns noch einmal besondere Aufmerksamkeit schenkt.

5) Welche Aktionen haben Sie für die Einwohner der Karstadt in nächster Zukunft geplant? Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben?

Soviel können wir sagen: Weitere spannende Gewinnspiele werden folgen. Wir werden uns aber auch weiter mit Möglichkeiten beschäftigen, den Fans noch exklusiver Informationen zu Ausbildung und Karriere bei Karstadt zur Verfügung zu stellen – etwa durch die Mitwirkung weiterer eigener Azubis. Wahrscheinlich werden sich die Ideen weiter um die „Karstadt“ ranken.
Schließlich werden ganz bestimmt auch tolle Ideen von den Fans kommen. Das ist einer der Vorteile von Interaktion.
Zunächst aber sind wir auf die Ergebnisse der Wettbewerbe gespannt. Denn die wird man natürlich auch online sehen…
Mehr möchten wir aber im Voraus noch nicht verraten. Nur soviel: Die Stadt wächst und es bleibt spannend!


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4 Responses to “Karstadt Karriere bei Facebook – Was steckt hinter dem rasanten Start?”
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  1. […] personalmarketingblog: Karstadt Karriere bei Facebook – Was steckt hinter dem rasanten Start? […]

  2. […] ja auch mehr Spaß, das Geld in irgendwelche Online-PR-Maßnahmen zu stecken, per Facebook-Ads oder per wenig Sinn stiftenden Gewinnspielen (warum wenig sinnstiftend? Ist doch klar, die Leute sind heiß auf iPad oder -Pod oder […]

  3. […] Aber vielleicht ist das ja Teil der Kampagne und soll besonders authentisch wirken, wer weiß das schon. In meinen Augen hat diese ganze Kampagne mit Zuhältertouch und Gewinnspiel aber vor allem eins: negative Auswirkungen aufs Arbeitgeber-Image. […]

  4. […] ja auch mehr Spaß, das Geld in irgendwelche Online-PR-Maßnahmen zu stecken, per Facebook-Ads oder per wenig Sinn stiftenden Gewinnspielen (warum wenig sinnstiftend? Ist doch klar, die Leute sind heiß auf iPad oder -Pod oder […]



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