ThyssenKrupp & Eismann – Zwei Welten an der Spitze

Vor kurzem wurde die aktuellste TEWeB-Studie von potentialpark veröffentlicht, in der 3.000 Studenten nach ihren Erwartungen bezüglich Karrierewebsites befragt und 104 Websites von Unternehmen nach diesen Kriterien bewertet wurden. Dabei ist ein Trend ganz klar erkennbar: Der Karriereauftritt eines Unternehmens im Web ist wichtiger denn je. 96 Prozent der Studenten und Absolventen nutzen das Internet bei der Jobsuche, 89 Prozent von ihnen besuchen die unternehmenseigenen Karrierewebsites. Und die Ansprüche der Bewerber an die Unternehmen werden immer höher. Studienleiter Julian Ziesing berichtet: „Bewerber erwarten einerseits, dass sie auf alle ihre Fragen eine Antwort bekommen. Andererseits sollen die Seiten nicht zu komplex sein. Die Bewerber wollen sich auf den Seiten intuitiv zurecht finden wie auch überall sonst im Netz.“ Die Qualität der Karrierewebsite ist also essentiell für die erfolgreiche Ansprache der gewünschten Bewerber.

An dieser Stelle wollen wir aber nicht noch eine weitere Auswertung und Kommentierung der Studie abliefern. Die Rankings sowie eine kurze Zusammenfassung finden Sie z.B. bei spiegel online oder online-recruiting.net. Stattdessen möchten wir uns lieber etwas genauer mit zwei Karrierewebsites beschäftigen, die beide an der Spitze des Rankings stehen, aber unterschiedlicher kaum sein könnten: ThyssenKrupp auf Platz 1 und Eismann, die es in diesem Jahr auf Platz 8 der besten Karrierewebsites geschafft haben, nachdem das Unternehmen noch im letzten Jahr abgeschlagen auf Platz 80 lag. Beide Unternehmen haben mit einer gelungenen Karriereseite einen Platz in den Top 10 ergattert, der Ansatz ist aber jeweils sehr unterschiedlich.

ThyssenKrupp überzeugt mit einer sehr strukturierten und übersichtlichen Website. Das Design ist eher schlicht und elegant, knallige Farben, verspielte Animationen und Schnörkel sucht man hier vergeblich. Auch eine Anbindung an soziale Netze gibt es kaum. Ein Twitter-Account ist zwar vorhanden, wird allerdings eher unauffällig präsentiert. Die Seite wirkt insgesamt eher klassisch und legt ihren Schwerpunkt auf Information und Funktionalität.

Eismann wirkt dagegen wesentlich bunter. Gleich zu Beginn wird eine Animation abgespielt, in der ein junger Mann namens Dieter Könnes den Besucher begrüßt und in einem zweiten Schritt kurz die einzelnen Bereiche der Website erklärt. Googelt man Könnes stellt man allerdings fest, dass es sich um einen WDR-Moderator handelt. Ein Eismann-Mitarbeiter wäre an dieser Stelle vielleicht nicht ganz so professionell, aber sicher sinnvoller gewesen. Die ganze Seite wird von kräftigen Farben dominiert, Unternehmensauftritte im Social Web – Blog, Xing, Facebook, Twitter, Youtube – sind zwar zunächst in grau, aber groß und direkt auf der Startseite platziert. Hier wird der Fokus offensichtlich auf Interaktion und Emotionalität gelegt. Ob diese Kanäle dann immer gut genutzt werden ist wieder eine andere Diskussion (Der Blog ist z.B. gut gelungen, dass aber unter dem Menüpunkt “Jobs” auf der Facebook-Page nur eine leere Seite auftaucht, geht gar nicht).

Was beide Seiten gemeinsam haben: Direkt zu Beginn wird selektiert. Für jede Zielgruppe gibt es einen eigenen Bereich. ThyssenKrupp trennt nach Schülern, Studenten, Absolventen und Berufserfahrenen, Eismann eher nach Tätigkeitsfeldern im Unternehmen.

Bei Eismann wird der Besucher in jeder Unterkategorie speziell von besagtem Dieter Könnes begrüßt. Er fängt sofort an zu erzählen, lässt sich dabei verschiedene Eismann-Gerichte schmecken und wuselt auch nach seiner Ansprache ununterbrochen weiter im Hintergrund herum. Gut, man kann den Vortrag mithilfe einer Stopp-Taste beenden, aber ein wenig kann einem Könnes schon auf die Nerven gehen 🙂 Aber eben das ist ja der Ansatz der Eismann-Karriereseite. Nein, nicht das auf die Nerven gehen, sondern die Aktion. Auf der Seite soll dem Besucher etwas geboten werden, Eismann soll fortschrittlich und frisch dargestellt werden, was auch durchaus gelingt. Dabei bleibt die Seite trotz allem gut strukturiert und übersichtlich. Besonders schön bei der Vorstellung der einzelnen Karrieremöglichkeiten: Neben Anforderungen und einer Stellenbeschreibung bekommt der Besucher außerdem Informationen zum Ablauf des Bewerbungsprozesses. Beim Trainee-Programm erfährt man z.B., dass nach einem Gespräch noch eine Art “Schnuppertag” sowie ein Assessmencenter folgen. Bei den Verkaufsfahrern wird der typische Tagesablauf eines Kollegen beschrieben und ebenfalls das Vorgehen nach dem Vorstellungsgespräch dargestellt. Auch sind fast überall Mitarbeitervideos vorhanden, in denen Eismann-Angestellte einen Einblick in ihre Tätigkeit geben. Hier wird ein persönliches Bild von Eismann als Arbeitgeber gezeichnet und die einzelnen Stellen werden anschaulich dargestellt.

Was bei Eismann leider weniger gut gelungen ist, ist die Einbindung einer Stellenbörse. Zwar ist eine solche vorhanden, allerdings unter dem Punkt “direkt bewerben” und dann als letzter Punkt in einer Reihe von Tätigkeitsfeldern nicht gerade intuitiv zu finden. Auch ist leider schwer bis gar nicht ersichtlich, ob die Position, für die ich mich interessiere, momentan überhaupt vakant ist.

Da hat sich ThyssenKrupp wohl ein paar Gedanken mehr gemacht. Hier befindet sich die Jobbörse mit Suchfunktion direkt auf der ersten Seite und ist auch in jeder Unterkategorie in der Navigationsleiste mit nur einem Klick erreichbar. Außerdem wird bei jedem Tätigkeitsfeld gleich die Anzahl der vakanten Stellen angezeigt. Gut gelöst! Hier merkt man gleich, dass ThyssenKrupp mit seiner Karrierewebsite besonderen Wert auf Information legt. Dabei wird die persönliche Ebene aber nicht vernachlässigt. Die Gesichter, die den Besucher auf den Titelbildern der einzelnen Kategorien anlächeln, sind mit Namen und Arbeitsort beim Unternehmen versehen, es dürfte sich also um echte Mitarbeiter handeln. Ebenso wie Eismann bietet auch ThyssenKrupp für jede Zielgruppe Videos an. Hier berichten Mitarbeiter über ihren Einstieg und ihre Erfahrungen im Unternehmen.

Ein weiteres nettes Feature sind die Bewerbungstipps, die auf jeder Seite zugänglich sind. Hier wird natürlich das Rad nicht neu erfunden, aber der Bewerber merkt doch, dass man ihm im Bewerbungsprozess keine Fallen stellen, sondern ihn stattdessen ermutigen und ihm behilflich sein will. Auch hier wird wieder der Ablauf des Bewerbungsverfahrens dargestellt, der Bewerber weiß also, was ihn erwartet.

Beide Karrierewebsites zeigen, dass auch unterschiedliche Wege zum Ziel führen können. Es gibt nicht DAS Geheimrezept für eine gelungene Karrierepage, allerdings sollten einige Grundzutaten immer beachtet werden: Funktionalität, Information, Authentizität, Struktur, Persönlichkeit. Dabei zeigt ThyssenKrupp, dass eine Karrierewebsite nicht unbedingt Social Media einbinden muss, um zu überzeugen. Allerdings sollten die Möglichkeiten sozialer Netzwerke auch nicht unterschätzt werden. Gewusst wie stellen sie eine ideale Ergänzung zum klassischen Internetauftritt dar. Sie setzen da an, wo die Website aufhört und umgekehrt.

Comments
3 Responses to “ThyssenKrupp & Eismann – Zwei Welten an der Spitze”
  1. Lutz Altmann sagt:

    Hallo Markus,

    dann freuen wir uns auch erst einmal über Euer schnelles, positives Feedback.

    Um noch einmal das „Freuen“ aufzunehmen. Wir sehen auch immer mit Freude, wenn wir helfen können und wir bei Euch oder anderen Unternehmen konkret dazu beraten können. Denn damit verdienen wir unser Geld.

    Viel Erfolg, macht weiter so.

    Lutz

  2. eismann sagt:

    Hallo liebes Personalmarketing-Blog-Team,

    wir freuen uns über euren klasse Artikel Noch mehr freuen wir uns über Eure Anmerkungen zu unserer Website und werden die angesprochenden Punkte besprechen und versuchen zu verbessern. So ein Consulting bekommt man ja nicht alle Tage;) Übrigens: den Job-Reiter haben wir schon entfernt – habt Ihr gut gesehen. Wir freuen uns auf weitere spannende Themen …
    Nach drei mal „freuen“ beende ich mal den Comment…
    Markus vom eismannjobs-Team
    http://www.eismannjobs.de

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  1. […] Thema, das in der aktuellen Debatte immer seltener auftaucht. Zu Unrecht: So berichtet der personalmarketingblog von der TEWeB-Studie von potentialpark, in der 3.000 Studenten befragt wurden: Der Karriereauftritt […]



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