Wer hat`s erfunden? Mit Sicherheit nicht die Schweizer – Social Media Recruiting

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In der letzten Woche mussten wir mit Wolfgang Brickwedde beim Social Media Recruiting Report 2012 schon hinnehmen, dass 75 Prozent der Arbeitgeber noch nicht proaktiv auf der Suche nach Fach- und Führungskräften sind. Und nun haut Eva Zils in dem schon angekündigten Artikel auf die armen Schweizer drauf. Wir wissen ja, wenige Ausnahmen, wie die VBZ und Jörg Buckmann oder Baloise bestätigen die Regel. 😉

Doch nun hat Eva Zils mit den wichtigsten Fakten der Social Media Recuiting Studien das Wort.

eva_20100220-1_abgeschnitten-socialSocial Media Recruiting in der Schweiz, so schrieb ich Ende Februar in einem Blogpost über den Schweizer Online Recruiting Markt, steckt nicht nur in den Kinderschuhen, sondern liegt noch in den Geburtswehen.

Während dann die Umfrage zur neuen Social Media Recruiting Studie Deutschland 2012 lief, erhielt ich die Möglichkeit, mit Hilfe von jobs.ch, Schweizer Personaler zum Stand der Dinge des HR 2.0 zu befragen.

Die Ergebnisse bestätigten das, was ich und andere Experten bereits vermuteten: Social Media (Recruiting) hat in der Schweiz keinen hohen Stellenwert. 48 Prozent der Befragten nutzen aktuell keine sozialen Netzwerke zur Kandidatenansprache. 6 Prozent zeigen keinerlei Interesse daran. Immerhin bestätigen 22 Prozent, erste Projekte in der Probephase zu haben, während 24 Prozent aussagen, in den sozialen Netzen aktiv zu sein.

Dies bedeutet jedoch in den meisten Fällen, dass beispielsweise ein XING Firmenprofil angelegt wurde. Es wird also nicht tatsächlich proaktiv nach möglichen Bewerbern gesucht. Das beliebteste Online Medium für Personalsuche ist und bleibt die Jobbörse. 95 Prozent der Schweizer Personalverantwortlichen und Recruiter nutzen diesen Kanal. An zweiter Stelle folgt die eigene Firmen Karriereseite.

An der Schweizer Studie nahmen insgesamt 730 Personaler teil. Die Teilnehmerstruktur erweist sich als gut durchmischt, was der intelligenten Streuung von E-Mail-Einladungen zu verdanken ist.

Die Studie kann kostenfrei heruntergeladen werden. Die Schweizer Studie existiert sowohl in deutscher als auch französischer Sprachversion. Zum Download

Zur gleichen Zeit habe ich die Befragung für die Social Media Recruiting Studie Deutschland durchgeführt. Dieses Jahr haben sich 335 HR-Verantwortliche daran beteiligt. Highlights sind mitunter folgende:

Social Media Recruiting gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung: Im Vergleich zu 2011 ist die Anzahl der Personaler, die Web 2.0 Methoden einsetzen, von 61 auf 74 Prozent gestiegen. Damit bleiben die Maßnahmen auch weiterhin ein Zusatzkanal im generellen Recruiting-Mix: Die wichtigsten Bewerberquellen stellen noch immer die firmeneigenen sowie kommerziellen online Stellenmärkte dar.

Das XING Firmenprofil wird am häufigsten für das Social Media Recruiting eingesetzt (69%), unmittelbar gefolgt von einer (Karriere-) Präsenz auf Facebook (65%). Die Monitoring Aktivitäten haben sich im Vergleich zum letzten Jahr leicht verstärkt (43% vs. 35% in 2011), müssen jedoch noch weiter ausgebaut werden.

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Der Fachkräftemangel-Schuh drückt: Personaler werden aktiver in Social Media (42 Prozent verbringen mehr als 1 Stunde pro Tag in sozialen Netzen, um Recruiting zu betreiben), der Anteil an Direktansprache über Netzwerke und Lebenslaufdatenbanken nimmt zu. Allerdings werden die Erfolgsaussichten der Direktansprache über Social Media als weniger gut eingestuft als noch vor einem Jahr. Der Einsatz von Personalberatern verringert sich dagegen. Die Rolle des Personalers wandelt sich – weg von der passiven Abwartehaltung auf Bewerberrücklauf und hin zur aktiven Ansprache und dem Bewerberdialog.

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Das Ausland wird zunehmend als geeignete Quelle für die Personalsuche erkannt, was somit eine der großen Neuerungen im Vergleich zu den 2011-Studienergebnissen ist, in der die grenzübergreifende Suche noch keine große Rolle gespielt hatte.

Nach wie vor wird kaum Budget für Social Media Recruiting freigestellt, jedoch ist im Vergleich zu 2011 ein leichter Anstieg zu verzeichnen, v.a. bei höheren Budgets.

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Der sich stark anbahnende Trend Mobile Recruiting ist bereits gut in den Köpfen und Prioritätenlisten verankert: 31% der personalsuchenden Firmen haben ihr Webangebot bereits optimiert, 51% planen dies.

Die Studie für Deutschland steht hier zum kostenfreien Download bereit.

Danke auch Eva Zils für die kurze Darstellung der wichtigsten Ergebnisse ihrer Studie. Wir freuen uns schon auf den weiteren Austausch und erwarten die Schweizer nächstes Jahr so richtig aktiv.

Comments
9 Responses to “Wer hat`s erfunden? Mit Sicherheit nicht die Schweizer – Social Media Recruiting”
  1. Eva sagt:

    Hallo zusammen,

    bemerke gerade, dass hier fleißig diskutiert wird.
    Keine Sorge: niemand muss sich hier auch nur annähernd verteidigen oder als besonders Aktiver im Schweizer Social Media Recruiting bekennen 😉
    Ganz im Gegenteil, ich finde es sehr bodenständig und gut (!), dass die Schweizer Recruiter nicht einfach auf den Social Media Zug aufspringen und durch die Weiten des Web 2.0 düsen, wie einige deutsche Firmen dies tun.

    Da sich die Teilnehmerstruktur auch sehr gut verteilt über kleine und mittelständische Betriebe, die eben nicht über das Web oder Social Media auf die Umfrage aufmerksam gemacht worden sind (sondern mit gezielten Mailings an jobs.ch-Kunden -> vielen Dank an dieser Stelle nochmal), halte ich das Ergebnis für aussagekräftig.

    Eine ähnliche Sachlage vermute ich sogar in Deutschland, wenn wir die Umfrage an genau die Personaler verteilen würden, die nicht unbedingt online anzutreffen sind. Dazu suchen wir übrigens noch Medienpartner fürs nächste Jahr 🙂

    Außerdem ist dieses Ergebnis doch wunderbar für Social Media Recruiting Berater und Agenturen: da ist noch jede Menge Potenzial!

    Viele Grüße aus Straßburg, das zwar im Elsass liegt, aber hier von einer echten Badenerin bewohnt wird
    Eva Zils

  2. Lutz Altmann sagt:

    Hallo Matthias,

    danke für die weiteren Beispiele. Sind zum Teil auch bekannt, wie KPMG.

    Ihr macht schon spannende Aktionen in der Schweiz.

    Daher wäre eine Diskussion auf einer Euren Veranstaltungen doch mal ganz spannend. Melde Dich einfach!

    Liebe Grüße aus Leipzig

    Lutz

  3. Guten Morgen nach Deutschland
    Es gibt nicht nur Baloise und VBZ welche aktiv Social Media in der Rekrutierung einsetzen… KPMG ist auch ein gutes Beispiel wie Facebook im Hochschulmarketing eingesetzt wird um das Hochschulgame von KPMG zu kommunizieren. Daneben setzen Sie bei ausgewählten Inseraten Eqipia ein um den potentiellen Bewerber das zukünftige Team vorzustellen und auch gleich anzuzeigen wer von meinem Netzwerk auf Xing und Linkedin jemand aus dem Team von KPMG kennt. Auch die Krankenkasse Helsana geht für ein Schweizer Mittelständer neue Wege. Haben Sie doch seit über einem Jahr einen Recruitment 2.0 Manager eingestellt welcher aktives Sourcing im Bereich IT betreibt und bereits schöne Erfolge ausweisen kann… Es tut sich schon etwas im Schweizer Markt. Aber dieser ist halt klein aber fein 😉
    Bezüglich Gastgeber für eine Podiumsdiskussion stehen wir von Prospective gerne zur Verfügung… Wann, wie, wo??? Wer hat Zeit und Lust daran teilzunehmen 🙂
    Grüsse aus Zürich
    Matthias Mäder
    Geschäftsfüher
    Prospective Media Services AG

  4. Lutz Altmann sagt:

    Guten Morgen nach Zürich,

    aufgeweckt ist er, der Schweizer Personalmarketingsprecher Jörg Buckmann. Wieder mal treffend beschrieben, die Welt des Schweizer Personalmarketings. Und auch noch einmal Kompliment an Eva Zils für die tolle Headline, die ich einfach nur ganz “selbstlos” bei uns im Personalmarketing Blog übernommen habe. So sind wir halt in Nordrhein-Westfalen. Wir nehmen, was kommt. Auch schon mal die ein oder andere Daten-CD.

    Wo liegt nun die Realität? Ich plädiere für eine Podiumsdiskussion mit allen Beteiligten. Ich übernehme gerne die Moderation. Wer möchte der Gastgeber sein?

    Und wer mich kennt, weiß, dass ich den einen oder anderen Schweizer ja auch noch besonders ins Herz geschlossen habe. Lucien Favre und Granit Xhaka stehen ganz oben. Und Jörg Buckmann bahnt sich gerade seinen Weg dahin. 😉 )

    Bleibt alle dran und für alle noch etwas zurückhängenden DACH’ler: FANGT ENDLICH AN!!!

    Liebe Grüße

    Lutz Altmann

  5. Lieber Herr Altmann

    „Ich muss nur noch kurz die Welt – oder aber mindestens die Schweiz – retten“, habe ich gestern abend schon ziemlichh spät zu meiner Frau gesagt, nachdem ich auf dem Heimweg Ihren interessanten Beitrag gelesen habe und bin sofort in meiner Schreibkammer verschwunden. Nun, meine Replik ist seit 1.30 Uhr online… Da sage noch mal einer, wir Schweizer seien langsam. Ich gehe im Grundsatz mit Eva Zils einig, was den enormen Nachholbedarf vieler Schweizer Personaler in Sachen Social Media ganz allgemein und der Anwendung für das Personalmarketing betrifft. Trotzdem konnte ich es nicht lassen, auf zwei interessante Punkte hinzuweisen: Erstens auf das Studiendesign, welches meines Erachtens zu einer Verzerrung zum Nachteil der Schweizer Auswertung führen kann, und zweitens auf die von Ihnen zitierte ICR-Studie, welche uns Alpenländern (also auch Österreich) eine überdurchschnittliche pro-Aktivität im Recruiting bescheinigt (wobei ich auch da so meine Zweifel habe). Wie auch immer – wir nehmens sportlich und ich schätze es, hier und anderswo kollegial und auch mit Augenzwinkern gewisse Themen zu diskutieren. Macht ganz einfach Spass. Die vollständige Replik gibt’s hier: http://blog.buckmanngewinnt.ch/prospecierara-ehret-schweizer-schaffen-im-recruiting-eine-art-gegendarstellung-mit-augenzwinkern/. Herzliche Grüsse aus Zürich vom Herr der Augenringe…

  6. Eva sagt:

    Danke, Lutz!

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  1. […] Dutzend Schweizer Facebookseiten mit Jobfokus aus… Natürlich weiss ich, dass wir Schweizer das Social Media Recruiting (ausnahmsweise…) nicht erfunden haben. Aber so viel weiter sind die Arbeitgeber in Deutschland nun auch wieder nicht. Das Resultat […]

  2. […] den vergangenen Tagen hatten wir die Ergebnisse der Social Media Recruiting Studie von Eva Zils und des Social Media Recruiting Reports von Wolfgang Brickwedde hier von beiden Autoren vorstellen […]

  3. […] «Wer hat’s erfunden? Mit Sicherheit nicht die Schweizer – Social Media Recruiting» So brutal titelte heute Montag der Personalmarketingblog von Lutz Altmann. Führhand  Jab, Uppercut. Päng, das sass. Ja gopfertelli, dachte ich, greift denn jetzt das “Schweiz-Bashing” schon auf das Personalmarketing über? Obwohl, oder vielleicht gerade weil, die VBZ und meine Wenigkeit als löbliche Ausnahme genannt wurden, habe ich mich gleich selber als Winkelried für die Schweizer HR-Szene mandatiert. Im Gegensatz zur lächerlichen Kavallerie-Drohung von Peer Steinbrück fahre ich wirklich starkes Geschütz auf: Ich beantrage bei ProSpecieRara die Gründung einer Sektion Personalmarketing Schweiz! ProSpecieRara ist eine (im allerbesten Sinne) altehrwürdige Schweizer Institution, die sich der Rettung und Behütung einheimischer Pflanzen und Tiere verschrieben hat und sich das Wissen und die kulturellen Werte der traditionellen Sorten und Rassen zum Ziel setzt. Auch wenn es ProSpecieRara eher um Pflanzen und Tiere als um das Schweizer Personalmarketing geht – aussergewöhnliche Ereignisse erfodern mutige Taten. Finde ich. Wobei für mich die ganze Schose ja sehr einfach durchschaubar und nachvollziehbar ist. Hier geht es um die wahrscheinlich mächtigste Triebfeder der Menschheit: Neid. Und Eifersucht. Und Missgunst. Ich kläre auf und nenne die unbequemen Fakten. […]



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